Presse
30.11.2017, 12:45 Uhr | MAZ - Prignitz 30.11.2017 / Beate Vogel
Rettungsdienst fürchtet im Notfall längere Wege
Ab 2018 gelten neue Strukturen in der Notfallversorgung – Eigenbetriebsleiter René Glaeser fordert Extra-Regelungen für den ländlichen Raum
Perleberg. Ein neues System für Notfallstrukturen soll ab Januar 2018
eingeführt werden. Das Krankenhausstrukturgesetz (KHSG), das bereits zum 1. Januar 2016 in Kraft getreten ist, wirkt sich dann auch auf die Rettungsdienste aus, kündigte René Glaeser an, der Leiter des Eigenbetriebes Rettungsdienst im Landkreis Prignitz. Ihm macht außerdem die damit verbundene Neustrukturierung der Notfallversorgung des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Sorgen. Genaue Vorgaben gebe es aber dazu noch nicht: „Das ist für uns eine ganz schlechte Situation“, sagte Glaeser am Mittwoch im Beisein des CDU-Bundestagsabgeordneten Sebastian Steineke mit Blick auf die unsichere Kalkulation für den Betrieb. „Wir sind jetzt in den Planungen für die nächsten Jahre.“ Steineke hatte sich den am Kreiskrankenhaus in Perleberg angesiedelten Rettungsdienst angesehen. Eigentlich haben die Prignitzer den Eigenbetrieb gerade auf solide Säulen gestellt: Die Rettungswachen sind modernisiert oder neu gebaut, das Team aus Notärzten, Rettungssanitätern
und Rettungsassistenten auf die in den vergangenen drei Jahren erheblich gestiegenen Einsatzzahlen eingestellt. An den Kreis- und Ländergrenzen tauschen sich die Einsatzkräfte bei Bedarf mit den Nachbarn aus. Die Zahl der Mitarbeiter könnte laut Glaeser nach der aktuellen Bedarfskalkulation bei 150 stehen bleiben. Doch jetzt reiche das nicht mehr – sowohl bei den Mitarbeitern als auch bei den Einsatzfahrzeugen. Nach bestimmten Qualitätskriterien soll künftig entschieden werden, welches Krankenhaus welche Leistungen erbringen darf: die „Basisnotfallversorgung“ mit Chirurgie, internistischer und anästhesiologischer Abteilung, die „erweiterte Notfallversorgung“ mit überregionalen Traumazentren und in spezialisierten Kinderkrankenhäusern
oder die „umfassende Notfallversorgung“, die auch die Schwerstverletztenversorgung und die Kindernotfallversorgung abdeckt. Ziel ist eine Konzentration der Notfallversorgung von schwerwiegenden Erkrankungen und Verletzungen in hoch spezialisierten Krankenhäusern. „Das System enthält dann Mindestangaben für Art und Anzahl der Fachabteilungen, die Zahl der Qualifikationen des Fachpersonals und anderes“, erläuterte Glaeser. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) sollen zur Absicherung des Notdienstes entweder Notdienstpraxen – so genannte Portalpraxen – oder Notfallambulanzen vorhalten. Während das aus Glaesers Sicht etwa beim Kreiskrankenhaus Prignitz oder bei den Ruppiner Kliniken in Neuruppin eine Stärkung der Notaufnahme zur Folge haben dürfte,
würden Kliniken wie die in Pritzwalk, Wittstock oder Kyritz wegen der Kriterien für den Rettungsdienst nicht mehr geeignet sein. „Interessant ist auch, dass die Kliniken, die aus dem System fallen, auch noch einen Obolus zahlen sollen.“
Für den Rettungsdienst kann das neue System bedeuten, dass er künftig ungleich längere Wege fahren muss. Der Leiter des Prignitzer Rettungsdienstes fürchtet, „dass der ländliche Bereich dabei hinten herunterfällt.“ Er bat den Bundestagsabgeordneten, eine besondere Betrachtung des ländlichen Raumes einzufordern. Schließlich müsse die in Brandenburg geltende Hilfsfrist von 15 Minuten eingehalten werden. Bei längeren Wegen rückt dieses Ziel in weite Ferne, wenn der Eigenbetrieb sich nicht personell und materiell darauf einstellt. „Wir sind der einzige Landkreis, wo vier Bundesländer zusammenkommen“, erklärt Erich Schlotthauer, Sachbereichsleiter Brand- und Katastrophenschutz beim Landkreis Prignitz. Laut Schlotthauer gebe es einen Vorschlag des Städte und Gemeindebundes, wonach die Hilfsfrist auf zwölf Minuten gesenkt werden soll – „ohne die Informationsfrist“. Während die Hilfsfrist in Niedersachsen wie in Brandenburg bei 15 Minuten liegt, sind es in Sachsen-Anhalt zwölf und in Mecklenburg gar nur zehn Minuten. Glaeser ist allerdings in Mecklenburg kein Landkreis bekannt, der diese Frist einhält. Er fordert eine Umstrukturierung
des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes und die Zusammenlegung der Leitstellen der Rettungsdienstes mit diesem System.
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